Redtube Nachwehen in Form von Durchsuchungen

Wie Welt und Heise Online berichten, ist es „im Nachgang“ zum Redtube-Abmahnskandal in Berlin zu Durchsuchungen gekommen. Welt titelt „Wie die Justiz im Redtube-Fall um ihren Ruf kämpft„. Wow.

Zu „kämpfen“ scheint leider nur die halbe Justiz. Mir persönlich würde es schon reichen, wenn ich nach über einem Jahr endlich mal die Akten der noch verbliebenden Beschwerden schließen könnte. Nachfragen meinerseits im letzten Jahr blieben sicherheitshalber unbeantwortet. Mitnichten kann ich daher der Aussage beipflichten, „die Justiz“ sei daran interessiert, im vorliegenden Fall ihren Ruf zu rehabilitieren. Vielmehr wurde Herrn RA Sebastian auch noch ausgiebig Frist zur Stellungnahme eingeräumt. Die kam übrigens nie.

Aktiv geworden ist die Kölner Staatsanwaltschaft nach erschreckend langer Zeit.

Bei den Durchsuchungen sollen auch die Räumlichkeiten eines in den Berichten nicht namentlich genannten Berliner Anwaltes betroffen gewesen sein. Aufhänger war scheinbar die eidesstattliche Versicherung, die man seinerzeit dem LG Köln vorgelegt hatte. Zudem sollen gefälschte DVD-Cover mit Modelabel-Strichcodes vorgelegt worden sein. Der von der Durchsuchungen betroffene Rechtsanwalt wurde zunächst nur als Zeuge geführt. Nach der Durchsuchung soll sich laut Heise seine Stellung zum Beschuldigten gewandelt haben. Für die Auskunftsersuchen war der Berliner Rechtsanwalt Daniel Sebastian zuständig gewesen. Die inzwischen insolvente GmbH von Ex-RA Urmann hatte die Abmahnungen ausgesprochen. Das „Treuhandkonto“ auf das Gelder durch Geschädigte geleistet wurden, floß umgehend in die Schweiz ab und wurde von noch einem anderen Anwalt verwaltet. Das (sinnfreie) Gutachten, welches die Porno-Clique gegenüber dem LG Köln ins Feld geführt hatte, stammte von einer vierten Kanzlei.

Wer angesichts einer solchen Arbeitsteilung noch glaubt, das Ganze sei nicht von langer Hand vorab durchgespielt und bis ins kleinste Detail vorbereitet worden, der lebt selig in den Tag hinein. Ich kann das nicht glauben. Wer sich das ganze Trauerspiel noch einmal zu Gemüte führen möchte, der findet möglicherweise hier, hier und hier bei paLAWa v1 Erleuchtung. Fragt sich, ob die Beteiligten neben dem Zahlungsempfänger in der Schweiz noch Gelegenheit hatten, „Honorar“ in Empfang zu nehmen.

Derweil soll Herr Urmann (wie bereits Ende letzten Jahres vermeldet wurde) kein Anwalt mehr sein. Bitter und ein Armutszeugnis für den Berufsstand ist, dass dies nicht das Resultat der diversen Abmahnwellen sein dürfte. Vielmehr bedurfte es einer insolventen Wurstfabrik. Herr Urmann hat laut Welt die Zulassung freiwillig zurückgegeben. Damit hat er einer berufsständischen Entscheidung  vorgegriffen bzw. direkt den Wind aus den Segeln genommen. Taktisch gesehen (erneut) ein kluger Schachzug. Wieso etwas abwarten, gegen das man sich wehren müsste, wenn die Wellen hoch schlagen. „Pleite“ ist auch nur die Urmann’sche Anwalts-GmbH. Warum die GmbH insolvent ist, dafür kann es viele Gründe geben. Herr Urmann war lange Zeit zunächst mit KUW und später mit U+C als GbR erfolgreich unterwegs, bevor die GmbH gegründet wurde.

Ich bin mir ziemlich sicher, dass wir Herrn Urmann irgendwann noch einmal wiedersehen werden. Vielleicht sogar als Anwalt. Nach den vielen, vielen tausend Porno-Abmahnungen der Pre-Redtube Ära kann ich nicht glauben, dass er am Hungertuch nagt. Das würde nicht in das Gesamtbild seiner bislang einfallsreichen Geschäftsmodellkonzeptionen passen. Und dank dem „Recht auf Alzheimer“ (vgl. EuGH Urteil v. 13.5.2014 – C-131/12) könnte es sogar sein, dass wir dann nichts mehr im Netz zu dem einstigen Strafverfahren oder dem ein oder anderen Skandälchen finden werden. #reset.

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