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Vor ein paar Tagen habe ich mir ein SE X1 Xperia mit Windows Mobile 6.1 an Bord gekauft. Eigentlich kein Thema für ‘nen Blawg, aber da die IT’ler unter uns ja gerne mobil sind, nachfolgend ein kleiner Bericht.

Mein alter Yakumo Pocket PC mit Win Mobile 2003 war etwas ins Alter gekommen, wobei der Akku selbst nach knapp 4 Jahren Dauernutzung noch wacker durchhält. Sony hat im Vorfeld die neue Panel-Technik des X1 unter Windows Mobile als große Innovation verkauft. Für die große Revolution des Windows Mobile Gerätemarkts halte ich es zwar nicht, aber die fliegenden Wechsel zu den verschiedenen Desktops und Programmlaunchern sind durchaus nützlich. Gebaut wird das Gerät – jedenfalls einigen Pressemeldungen nach zu urteilen – von HTC.

Was man mit der Paneltechnik so alles anstellen kann, lässt das 3D Fish Panel erahnen. Für den Anfang sind die zurzeit zur Verfügung stehenden (virtuellen) Desktops (wohl der Grundgedanke der Panel”idee”) jedenfalls ganz nützlich, sicherlich aber nicht das Ende der Fahnenstange. Ein Panel lädt je nach Konfiguration ca. 1-2 Sek lang die individuellen Einstellungen nach.  Ich empfehle auf jeden Fall von der Sony Page das Spb Shell Panel nachzuladen (kostenlos).  Bleibt zu hoffen, dass die Fangemeinde fleißig neue Panels nachschießen wird.

Entscheidend für meine Wahl waren QWERTZ im Slider, Touchscreen, UMTS/HDSPA, WLAN/WIFI/Bluetooth, GPS, 800×480 im 3” Display – und ja – Windows Mobile. Also – all in one mit hoher Auflösung und QWERTZ.

Der ganze Technikkram ist auf nicht viel mehr als eine SE Standardhandygröße verpackt (selbst die QWERTZ ändert nicht viel an der Gerätetiefe).  Im Anschluss ein paar Fotos mit Größenvergleich (SE K750i).

Das Touchdisplay ist sehr klar. Ich empfehle direkt eine Brando-Schutzfolie aufs Display zu klatschen; gibts bei EBay  für 8 Euro. Die haften statisch, sind abwaschbar und wirklich crystal clear. Ich bemerke keinen Unterschied. Ich habe natürlich 20 Minuten lang geflucht, weil es mir auch dieses Mal nicht gelungen ist, die Folie auf Anhieb ohne Luftblase anzupassen. Ge’touch’ed wird mit den Fingern oder einem Stylus, wobei mir der Stylus definitiv zu fummelig ist. Er liegt schlecht in der Hand und lässt sich nur schwer herausziehen, da die Öffnung des Stylus-Schachts sehr tief eingelassen ist – insb. wenn sich das SE X1 in einer Tasche befindet, knibbelt man oft am Rand herum, bis der Stylus rausspringt. Da habe ich mich jetzt mehrfach drüber geärgert – und ich habe keine Wurstfinger.

Sehr positiv ist hingegen, dass das Touchdisplay sehr gut und genau auf Fingerberührungen reagiert. Aufgrund der hohen Auflösung kann es aber mit der “Windows Standardtastatur” eng werden (selbst in der “großen” Variante). Wer nur ungern die QWERTZ rausschieben möchte, dem lege ich als (kostenpflichtiges) Zusatztool Spb Keyboard ans Herz. Die Bildschirmdarstellung springt nur automatisch ins Querformat, wenn man die QWERTZ des SE  X1 ausfährt. Die ist aber gerade beim Surfen oft unnötig. Stört mich nicht übermäßig, aber bei dem Preis hätte man dem Gerät ruhig einen Sensor spendieren können.  Man kann das Querformat natürlich jederzeit manuell über Windows Mobile einstellen.

Der QWERTZ fehlt eine Zahlenreihe, an die Tastenumstellung gewöhnt man sich aber schnell. Anschlag  – sofern man bei einer QWERTZ davon sprechen kann – ist gut, die Tasten hätte man aber noch einen Tacken mehr hervorheben können. Die obere Tastenreihe ist sehr nah am Slider-Ende, d.h. mit Wurstfingern könnte es etwas eng werden; ich empfinde es aber nicht als störend. Der Slider läuft wie geschmiert und wirkt – wie im Übrigen das ganze Teil – sehr hochwertig verarbeitet (komplett Aluminum-Gehäuse).

Die Animationen der Systemoberfläche sind schnell und flüssig. Nach einem Neustart kommt es zu den obligatorischen Windows Mobile Hängern. Laufen zu viele Programme gleichzeitig, wird Windows Mobile – Panel hin oder her – gerne mal träge.  Alles in allem kann die Performance aber voll überzeugen. Ich hatte bislang kaum Probleme.  Wenn ich zu viel gleichzeitig mache, gibts mal einen längeren Hänger, aber das System fängt sich meistens wieder. In einem Nutzungszeitraum von 14 Tagen waren “nur” 2 Kaltstarts erforderlich.

Negativ ist mir aufgefallen, dass der USB-Datentransfer recht lange dauert. Für ein USB 2.0 Gerät m.E. zu lange. Was sich die Designer dabei gedacht haben, den USB-Port oben links anzubringen, ist mir ein Rätsel.  Schiebt man die QWERTZ raus, ist der Anschluss unten, aber wer fährt Auto mit ausgeklappeter QWERTZ? Wer auf seinem X1 eine Navi-Lösung installieren möchte, der muss früher oder später Strom auf das Phone geben. Da hätte ein Anschluss unten rechts oder direkt ganz unten bei eingeklappter QWERTZ wohl eher Sinn gemacht.

Alles kann am SE X1 gesondert beleuchtet werden – inkl. Tastatur. Die Beleuchtung lässt sich über Windows Mobile steuern.

In Sachen mobiles Surfen: SE hat den neuen Opera 9.5 auch schon gleich mit draufgepackt. Leider ist IE als default eingestellt, was mal gar nicht geht. Das Teil ist m.E. eine Zumutung fürs mobile Browsen. Dem lässt sich aber leicht abhelfen. Einfach einen Registry-Editor (kostenlos: TRE) installieren und in der Registry den Default-Wert von “HKEY_CLASSES_ROOT -> http -> Shell -> Open -> Command” auf “operaL.exe %1″ ändern (auf eigene Gefahr). Seit dem startet jedenfalls bei mir anstelle von IE der sehr viel bessere Opera, sobald ein Programm den Defaultbrowser launched. Geschwindigkeit, ganzseitige Originaldarstellung mit schnellem Zoom rein/raus (Doppel-Tipper auf gewünschte Stelle) und flexibles 360-Grad-Scrolling erfreuen das mobile Surferherz. Safari ist damit zwar nicht geschlagen, aber Opera mobile ist nah dran.

Eine 3.2 megapixel Digicam ist auch mit dabei; deren Aufnahmen haben mich aber nicht vom Hocker gehauen; die Farben wirken etwas blass. Da es mir jedoch in erster Linie auf Konnektivität/Emails und Officefunktionen ankommt, soll mir das egal sein. Nettes Feature der Cam: Autofocus durch Touch auf den gewünschten Bildschirmausschnitt.

Unheimlich wurds dann gestern Abend beim Navigieren. Auf der Fahrt nach Hause habe ich Google Maps im UMTS/GPS Mix mit Standortverfolgung in der Sat-Ansicht (Max-Zoom) nebenher laufen lassen. Ich hatte das Gefühl, als würde wie bei O.J. Simpson über meinem Auto ein Hubschrauber kreisen. Mein Dot crashte durch die  fotografierten Autos auf den Straßen. Scary. Durch Funkzellenortung war eine Positionsbestimmung via Googlemaps bis zu 200 Meter, auf der Autobahn bis zu 2.000 Meter, per GPS  quasi auf den Meter genau möglich. Fiel GPS im Tunnel aus, stellte Google wieder automatisch auf Handypositionierung um. Die Sat-GPS-Peilung ist sehr schnell. Schon 10-15 Seks nach Start hat sich der Empfänger eingepeilt.

Als echte “Navi-Lösung” liegt dem SE X1 neben Google Maps der Wayfinder-Navi in einer 1-monatigen Testversion bei. Zu Wayfinder kann ich nichts sagen, da ich es nicht ausprobiert habe.

Fein ist auch der Akku des X1. Bei all dem Spökes, den ich mit dem Gerät veranstaltet habe (stets per UMTS im Netz, GPS-Tracking, WLAN/WIFI an), hat es in den letzten 5 Tagen 4 Mal am Netz gehangen, wobei der Akku nie ganz leer war. Unter der Haube schlummert ein 1500 mAh Akku. Ich schätze die Akkulaufzeit bei einem durchschnittlichen Nutzungsverhalten auf ca. 36-48h Std. ein, die Extremnutzung auf ca.  4-5 Stunden bei voller Ladung. Der Akku ist nach ca. 2 Stunden voll geladen. Achtung: Ein kurzes Drücken des Power-Schalters schaltet in der Standardeinstellung lediglich das Display aus. Das System läuft hingegen weiter und zieht somit Strom. Also nicht wundern, wenn am Morgen auf einmal der Akku leer ist. Der Hardreset-Knopf des X1 befindet sich unter der Akkuabdeckung – m.E. ungünstig – bei Windows Mobile.

Mucke aus dem SE X1 überzeugt vom Klang. Mitgeliefert werden gute Kopfhörer, die tief ins Ohr schallen. Nachteil dieser Kopfhörer: Man hört jedes Rascheln am Kabel (mich nervts). Ein UKW Radioempfänger ist auch mit an Bord. Standardklinke. Mir ist schleierhaft, wieso Radio bei den Smartphones immer an die Kopfhörer gekoppelt wird.

Die Tonausgabe am Phone selbst (insbesondere beim Telefonieren) ist m.E. mittelprächtig, aber letztlich noch o.k. Da ich das X1 sowieso nur als mobiles Mini-Office nutze und nicht zum Telefonieren, solls mir egal sein.

Dass die Akkuabdeckung lose sein soll, wie an anderer Stelle behauptet, kann ich überhaupt nicht bestätigen. Im Gegenteil, ich muss ziemlich fummeln, bis sie aufspringt.

Tipp am Rande für Feedjunkies: Als Feed Reader neben der integrierten Panel-Feed-Reader Version kann ich NewsBreak empfehlen. Die Trial kann man 30-Tage lang kostenlos testen. Ein wirklich sehr guter Feed Reader für Windows Mobile, der auch mit Grafiken im Feed klar kommt.

Zum Thema Speicherausbau: Sony-untypisch hat man auf den Memorystick verzichtet und Gott-sei-Dank einen micro-SD-Slot eingebaut. Das SE X1 frisst problemlos eine 8 GB Micro SDHC. Für den mobilen Anwalt mit Akte onboard folgender Tipp: Die Windows Mobile Verschlüsselung der MicroSD ist insoweit wenig hilfreich, als dass die Karte nur in dem jeweiligen Windows Mobile Gerät gelesen werden kann (d.h. es kann kein verschlüsselter Container kopiert werden). Wer mit Tools wie TrueCrypt vertraut ist, dem lege ich die Open Source Lösung FreeOTFE4PDA ans Herz. Es gibt sowohl eine PC als auch eine PDA Version, die Windows Mobile 6.1 kompatibel ist - die Container lassen sich sowohl auf dem PC als auch PDA öffnen. Es werden so gut wie alle Crypt-Algorithmen unterstützt. Zur Beschleunigung der PDA Version sollten alle .DLL Treiber-Dateien aus dem FreeOTFE4PDA-Verzeichnis gelöscht werden, die nicht dem Container-Algorithmus entsprechen. Da temporär nichts ausgelagert wird, testet die Windows Mobile Version im Mountvorgang  alle .DLL’s durch, was ca. 1-2 Minuten dauert. Befinden sich nur die 2 richtigen Treiber im Programmverzeichnis, zieht sich der Mountvorgang nur 3-5 Seks hin. Wer TrueCrypt oder BestCrypt kennt, der muss sich nicht umstellen.

Fazit: Wer sich zu Weihnachten mit einem neuen (Windows Mobile) PDA/Smartphone beschenken möchte, der sollte sich neben den HTC’s und Samsung Omnias mal das SE X1 anschauen. M.E. eine der besten Windows Mobile Komplettlösungen, die es zurzeit gibt, insbesondere wenn man eine Mini-Office-Lösung sucht. Der Applikationenmarkt ist ungeschlagen. Die Panel-Geschichte ist ganz nett, gleichwohl nicht die gepriesene Revolution; ich empfinde sie durchaus als Hilfe unter Windows Mobile. 

Der amazon-Preis liegt zurzeit bei knapp 650,- € für die Silver-Edition ohne Vertrag. Da eigentlich alles drin ist, was man sich wünschen kann und das Gerät sehr hochwertig und mit wenig Plastikanteilen verbaut wurde, m.E. o.k.

Dem X1 liegt keine Tasche oder Schutzhülle bei, daher sollte man sich zeitgleich eine zulegen. Ich empfehle die Multiadapt von Krussel mit Klarsichteinschub für den Slider.

4 Kommentare auf “Sony Ericsson Xperia X1 Review”

  1. Besten Dank für den Praxis-Testbericht.
    Als Macianer müsste mir Windows Mobile fern und das iPhone nahe liegen.
    Allerdings hadere ich zu sehr mit den Vertragskonditionen des rosa Riesen. ;-)
    Welchen Anbieter und welchen Vertrag benutzt Du?

  2. SK sagt:

    Danke für das Review – Meine Entscheidung zugunsten des X1 war zwar schon vorher gefallen, aber jetzt freu ich mich noch mehr auf das hoffentlich morgen eintreffende Paket.

  3. @Michael: EPlus UMTS-Flat. Geschäftskunden bietet EPlus die Flat für 21,04 € an (netto) – genau wie bei der Sub-Marke Base. Anfang 2009 soll das Netz auch sukzessive mit HSDPA-Beschleuniger aufgestockt werden, wobei ich sagen muss, dass mir UMTS für meine Bedürfnisse ausreicht.

    Das Netz ist m.E. bei EPlus nicht so stark wie bei der Konkurrenz (insb. T-Mobile), aber ein kleiner Tipp: Den Auto-Fall Back des GPRS/UMTS Mix ausschalten, UMTS-Zwang wählen und siehe da.. auf einmal hat man (fast) überall UMTS Empfang – zwar teilweise mit einem mickrigen Pünktchen, aber immer noch besser als GPRS-Fallbacks. Ich häng jedenfalls nonstop im Netz mit dem X1, zwar oft auf Standby, aber bei Einschalten zeigt mir das X1 immer sofort brav die Anzahl neuer E-Mails an.

    Zum Thema Apple: IPhone 3G ist fein, aber m.E. indiskutabel teuer wie fast alle Dinge von Apple.

    Ich habe mir seit Jahren angewöhnt, die Geräte ohne Brand zu kaufen und dann Verträge ohne
    Endgerät abzuschließen. Die Verträge sind dann häufig sehr günstig, weil sie nichts subventionieren. Auf 2 Jahre verrechnet zahlt man bei subventionierten Geräten im Zusammenhang mit dem Vertrag meist 1/4 mehr, als wenn man es ohne Brand kauft (natürlich muss da auch schauen, wo man kauft).

    Da ich viel ausprobiere, bastel ich mir meine Redmonder Systeme zumeist auch so zusammen, bis sie brauchbar sind ;-) . Bei Windows Mobile ist die Vielfalt an zur Verfügung stehenden Tools (fremder Entwickler) schon super.

    Außerdem nervt mich bei Apple die “Teile kann man als Endnutzer nicht austauschen”-Masche mit den fest verbauten Akkus.

  4. Andreas sagt:

    Danke für deinen Praxisbericht.
    Ich hab das X1 auch. Der Datenabgleich zw. Comp und Handy hat super funktioniert. Was aber immer wieder Probleme bereitet, sind meine im outlook eingetragenen Telefonnummern. Welches Format müssen denn die haben, damit das Handy die auch wählen kann?

    Bitte um Hilfe! DANKE