Blast from the past & Chris Huelsbeck – The Piano Collection

Mein Faible für das IT-Recht und für technische Spielerein im Allgemeinen gründet mitunter darin, dass mir meine Eltern Mitte der 80er im Alter von 12 Jahren einen Schneider 286er AT (512 kb Ram, 10 Mhz, 20 MB Festplatte) mit Monochrom-Grafik und zwei Text-Adventures von Sierra (Police Quest 1 und King’s Quest 1) zu Weihnachten schenkten, während ein befreundeter Kumpel auf einem C64 feinste Spriteexplosionen und Sidescroller ala R-Type genoß. Meine Eltern meinten es gut. Ich sollte auch was am Rechner lernen, und nicht nur daddeln.

Was die Rechenleistung anbelangt, war obiger PC bis in die späten 80er ein absolutes High-End Gerät. Diesen Umstand habe ich erst einige Jahre später realisiert. PC-Technisch dümpelten die meisten noch in XT-Gefilden herum. In erster Linie ärgerte ich mich darüber, dass der PC-Speaker im Gegensatz zum C64 lediglich piepsende Töne von sich gab und Elite (vor ein paar Tagen wurde der hervorragende Reboot „Elite Dangerous“ durch Braben gelauncht) nur bernsteinfarbige Vectorengrafik darstellte; wobei Elite auf dem C64 sogar noch schlechter aussah.

Als ein Jahr später mein Hercules Monitor durch einen EGA-Monitor abgelöst wurde, wandelte sich die sterile Monochrom-Grafik je nach Spiel entweder in ein prächtiges 4-farbiges CGA Wunder oder eine 16-farbige EGA Farbexplosion.

Da es mangels Verfügbarkeit von Spielen für MS-DOS in seiner Ur-Ur-Ur-Fassung nicht allzu viel zu zocken gab, begann ich damit, Basic Code, der in Spielezeitschriften für den C64 abgedruckt wurde, in GW Basic  zu konvertieren. Ich habe stundenlang vor einem tonnenschweren Philips 11“ Monitor gehockt, und versucht Spielabläufe zu programmieren. Alternativ habe ich fleißig Englisch gelernt, um mit Sierra’s verständnislosem Parser kommunizieren bzw. um die Spieletexte verstehen zu können. An dt. Lokalisierungen war seinerzeit nicht zu denken. Meine eigenen Spiele waren ehrlich gesagt alle ziemlich scheisse bescheiden. Mitunter habe ich so lange  vor dem Monitor gesessen, dass mich die Mutter meines Kumpels irgendwann in den Sommerferien fragte, wo ich denn im Urlaub gewesen sei, ich hätte so schön Farbe im Gesicht bekommen.

Soundtechnisch folgte Anfang der 90er eine 11-stimmige Adblib FM-Soundkarte.  Da hatte ich dann allerdings, was den Klang anbelangt, immer noch das Nachsehen, denn inzwischen hatten die meisten meiner Freunde vom C64 auf den Amiga 500 gewechselt. Und der Amiga war bekanntermaßen soundtechnisch eine Offenbarung. Da ich schon immer eine Schwäche für elektronische Klänge hatte, nahm mir ein Freund immer die besten Tracks via Tonband aus Psygnosis, Bitmap Brothers (u. a. Richard Joseph; RIP) und diversen Rainbow Arts Titeln (insb. Chris Huelsbeck’s) auf. Die habe ich dann auf meinem Sony Walkman so lange gehört, bis das Band ausgeleiert war. Was den Ton anbelangte, gab es auf dem PC erst mit dem Soundblaster in der V1 nennenswerte Konkurrenz zum Amiga. Die schweineteure Roland MT-32 produzierte für damalige Verhältnisse lediglich gute Synthi-Klänge.

Im nachhinein habe ich in dieser Zeit unheimlich viel gelernt. Davon profitiere ich noch heute. Da die PC-Technik immer offen gestaltet war, habe ich schon mit 13 Jahren an der Hardware herumgefummelt. Möglicherweise erklärt das auch, warum ich mich 25 Jahre später immer noch für so gut wie jede neue technische Entwicklung interessiere, die dem User Raum für Experimente lässt. Aber ich schweife ab.

Grund für diesen Beitrag ist letztlich das Kickstarter-Project „The Piano Collection“ von Chris Huelsbeck, auf das ich an dieser Stelle gerne hinweisen möchte. Da ich ein paar IT Kollegen kenne, die eher etwas gediegenere Klänge bevorzugen, besteht im Rahmen dieses Projekts die einmalige Gelegenheit, Huelsbeck’s Klassiker von Giana Sisters bis über Turrican im Piano-Arrangement entweder erstmals kennenzulernen oder alternativ wiederzuentdecken. Und für das liebe Töchterlein oder den folgsamen Filius, der in den Klavierunterricht gesteckt wurde, kann man gleich das Score-Book mit den passenden Noten erwerben. Für Retro-Papa mit Plattenspieler ist zudem eine Vinyl-Option verfügbar. Die Kampagne ist übrigens schon lange gebackt und steht zurzeit kurz vor 60.000 US$.

Hier ein kleiner Vorgeschmack:

Quelle: Soundcloud/ Chris Huelsbeck

Schließen möchte ich dann in diesem Sinne mit dem Supremacy Remix von Lukhash:

Quelle: Youtube/ Lukhash

Wer sich mal das C64 Original von 1990 anhören möchte. Hier entlang.

PP.S. Wer auf Jump & Run steht, und Giana Sisters in neuer Pracht, mit einer innovativen Spieldesign-Idee und toller Grafik, im neu arrangierten Huelsbeck-Sound zocken möchte, dem sei  „Giana Sisters – Twisted Dreams“ ans Herz gelegt. So, genug davon 😉  End.

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Alexander Schultz

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